Denervation des Hüftgelenks

Written by: Sarah Wellhöner | 21. August 2012

Die Zahl der Patienten mit Hüftgelenksdysplasie und -–arthrose sind in der Tierarztpraxis zahlreich. Betroffene Tiere lahmen je nach Schweregrad mehr oder weniger stark. In jedem Fall aber haben die Tiere Schmerzen. Während die Denervation in der Humanmedizin schon lange Zeit bei der Behandlung chronischer Gelenkserkrankungen eingesetzt wird, ist dieses Vorgehen in der Veterinärmedizin noch weniger etabliert.

Ziel der Denervation ist eine sofortige Schmerzausschaltung, womit eine vermehrte Bewegung und eine Reaktivierung der dynamisch aktiven Komponenten des Hüftgelenkes erreicht werden sollen.
Hierfür ist nur ein relativ kleiner Hautschnitt nötig, auch müssen keine Muskeln durchtrennt werden sondern der Operateur arbeitet sich zwischen den Muskeln hindurch zum Hüftgelenk vor. Dort wird dann unter Schonung umgebender Nerven und Blutgefäße in einem bestimmt Bereich des Hüftgelenksrands die Knochenhaut abgeschabt und somit die Nervenfasern (Nervus (N.) glutaeus cranialis sowie die cranial gelegenen Rami articulares dorsales des N. ischadicus) zerstört, die für die Schmerzempfindung des Hüftgelenks zuständig sind.

In einer aktuellen Studie wurden 321 Hunde unterschiedlicher Rasse im Alter von 4 Monaten bis 16 Jahren mit einer Denervation auf Grund einer Hüftgelenksdysplasie oder einer –arthrose untersucht. Die Hundehalter wurden anhand eines Fragebogens 2 Monate vor und 2 Monate nach der Denervation befragt. Außerdem floß in die klinische Evaluierung eine klinische Untersuchung durch den Tierarzt ebenfalls 2 Monate vor und 2 Monate nach der OP ein. Dabei wurde auch die Lahmheit zu diesen Zeitpunkten anhand einer standardisierten numerischen Bewertungsskala beurteilt.
91,9 Prozent der behandelten Hunde zeigten postoperativ eine signifikante Besserung der klinischen Symptome. Etwas mehr als die Hälfte der Tiere (52,1 Prozent) waren anschließend komplett beschwerdefrei. Nur 8,1 Prozent der operierten und untersuchten Hunde zeigten keine Verbesserung der klinischen Symptomatik. Zu einer Verschlechterung kam es bei keinem der denervierten Hunde. Bei 61 Prozent konnte eine Verbesserung dagegen bereits innerhalb der ersten 3 Tage nach der OP beobachtet werden, unabhängig von Rasse, Alter und Gewicht der Tiere. Die Bewegungsfreude der Tiere setzt wieder ein. Dadurch kommt es zu einem trainingsbedingten Aufbau der gesamten Becken- und Oberschenkelmuskulatur, woraus letztlich eine Stabilisierung des inkongruenten, dysplastischen Gelenkes resultiert.

Fazit:
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Denervation als Alternative zu anderen Eingriffen wie dem Einsetzen einer Hüftgelenksprothese auf jeden Fall in Betracht gezogen werden sollte, zumal die OP bei Hunden jeden Alters durchgeführt werden kann und nur wenig invasiv ist. Zudem bleiben ernstzunehmende Komplikationen bei diesem Eingriff in der Regel aus. Besonders bei Hunden unter einem Jahr stellt sie eine Alternative dar, da hier die Endoprothetik  auf Grund mangelnder Knochenentwicklung nicht durchgeführt werden kann. Bei alten Hunden ist sie schon allein wegen des Rentabilitäts-OP-Kosten-Verhältnissen für die Besitzer in Betracht zu ziehen. Weiterhin bleibt  durch den wenig invasiven Eingriff bei der Denervation und der Schonung des Hüftgelenkes dieses für ggf. notwendig werdende weitergehende Operationsmethoden erhalten

Kategorie: Allgemein , Chirurgie
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