Diagnose und Vorkommen von Hüftgelenksdysplasie bei Frettchen

Written by: Sarah Wellhöner | 21. August 2012

(Arbeitsstudie, vorläufige Version)
von Dr. Sebastian Cichowski und Sarah Thomas

Einführung:

In der Kleintiermedizin spielt die HD (Hüftgelenksdysplasie) bereits seit langer Zeit, vor allem in der Hundezucht, eine entscheidende Rolle. Es handelt sich dabei um eine genetisch bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, die zu Störungen im Bewegungsablauf und im weiteren Leben zu schmerzhafter Arthrose führen kann.
In dieser Studie sollen Hinweise gefunden werden, ob die HD auch beim Frettchen (Mustela putorius furo) genetisch bedingt auftritt und somit ein Auswahlkriterium bei der Zucht darstellen sollte. Außerdem wird die Methode der Anfertigung und Auswertung von Röntgenbildern der Hüfte beim Frettchen erläutert.

Methode:

Untersucht wurden 8 Frettchen aus zwei Linien gemeinsamen Ursprungs, deren Verwandtschaft aus nachfolgendem Schema nachzuvollziehen ist:

Generation

Name

0

Max*

1

Einstein´Emc von der Heide*

BamBam von der Heide

Nelly von den Sweet Angels

2

Senior Penelope-Firlefanz   Feenwald Ferrets from   Dreamland*

Rachel von den Waldfrettchen

Rose von den Waldfrettchen*

3

Fuchur Feenwald Ferrets from Dreamland

Brianna von den Waldfrettchen

4

Memory Firlefanz Feenwald Ferrets from Dreamland

Alabaster Feenwald Ferrets from Dreamland

5

Günni der kleine Kurt Feenwald Ferrets from Dreamland

*nicht untersucht

Bei allen Tieren wurde zunächst eine allgemeine Untersuchung durchgeführt, gefolgt von einer eingehenden neurologischen und orthopädischen Untersuchung. Bei allen Tieren waren die erhobenen Befunde unauffällig und entsprachen denen eines gesunden Frettchens.

Um eine Röntgenaufnahme guter Qualität mit korrekter Lagerung zu erzielen, wurden die Tiere mittels Injektionsnarkose ruhiggestellt. Hierzu werden Ketamin (25 mg/kg) und Xylazin (1 mg/kg) als Mischinjektion intramuskulär verabreicht. Bereits nach wenigen Minuten tritt eine angemessene Relaxation ein.

Die Tiere wurden in Rückenlage direkt auf der Röntgenkassette aufliegend gelagert. Hierbei ist wichtig, dass das Becken plansymmetrisch auf dem Untergrund aufliegt. Die Hintergliedmaßen sind so zu lagern, dass die Oberschenkel parallel zueinander liegen und die Knie so weit eingedreht sind, dass die Kniescheiben mittig auf dem Kniegelenk liegen. Hierbei ist zu beachten, dass die Beine des Frettchens deutlich flexibler als die eines Hundes sind, sodass darauf geachtet werden muss, die Gliedmaßen nicht zu stark nach innen zu rotieren.
Um die notwendige Streckung des Tierkörpers zu ermöglichen, sind die Vordergliedmaßen ebenfalls gestreckt zu fixieren. Dies kann entweder durch eine zweite Hilfsperson erfolgen, oder aber, um die Belastung des Personals durch Röntgenstrahlen möglichst gering zu halten, mittels Klebeband, Ausbindeschnüren oder eines aufgelegten Gewichts (z.B. Bleihandschuh) ermöglicht werden.

Eine Größe der Röntgenkassette von 18 x24 cm hat sich bewährt. Auf eine Kennzeichnung der Röntgenaufnahme mit den Patientendaten ist ebenso Wert zu legen wie auf die korrekte Verwendung von Seitenzeichen auf dem Bild. In diesem Fall wurden die ersten Tiere der Studie mittels herkömmlicher Technik mit Röntgenfilm geröngt (FFD 78cm, 38 kV, 8,15 mAs für mittelgroßes Frettchen), die weiteren Tiere mittels digitaler Röntgentechnik (FFD 78cm, 38 kV, 3,05 mAs für mittelgroßes Frettchen).

Da für Frettchen noch keine Standards für die Röntgenuntersuchung der Hüfte existieren, haben wir ein eigenes Schema für die Beurteilung, angelehnt an die Standards für die HD-Untersuchung beim Hund, erarbeitet.

Zunächst wird die allgemeine Qualität der Aufnahme mit korrekter Kennzeichnung und Belichtung beurteilt. Hierbei ist vor allem wichtig, dass die Aufnahmen verschiedener Frettchen miteinander vergleichbar sind.
Hierzu dient auch die darauf folgende Beurteilung der korrekten Lagerung des Tieres. Das Becken soll symmetrisch dargestellt sein, die Hintergliedmaßen in guter Streckung mit paralleler Ausrichtung der beiden Oberschenkelknochen zueinander. Die Gliedmaßen sollten so weit eingedreht worden sein, dass sich die Kniescheibe mittig zwischen den Kondylen des Femurs befindet.

Hierauf folgt dann die konkrete Beurteilung der Strukturen des Hüftgelenks.
Die Gelenkpfanne (Azetabulum) soll tief angelegt sein. Eine flache Pfanne stellt einen gravierenden Fehler dar, da sie dem Oberschenkelkopf keinen Halt bietet und somit zu einer Instabilität des Gelenks führt. Der vordere Pfannenrand sollte scharf konturiert sein, Unschärfen oder Auflagerungen weisen auf einen Versuch des Organismus hin, fehlende Gelenkstabilität durch eine breitere Auflagefläche zu kompensieren. Die vordere Pfannenkontur sollte rund auslaufen und sich dem Oberschenkelkopf als Lagerfläche anbieten.
Der Oberschenkelkopf ist in Idealform kugelförmig und sich der Gelenkpfanne anpassend. Durch Missbildungen (Abflachung, eckig, pilzförmig, unpassend klein) kommt es zu einem unkorrekten Sitz in der Pfanne, das Gelenk kann dadurch lose bis hin zu subluxiert oder gar luxiert sein.
Der Oberschenkelhals sollte deutlich abgesetzt, scharf konturiert, korrekt in seiner Länge und Winkelung zum Schaft sein und keine osteoarthrotischen Auflagerungen aufweisen.
Entscheidend ist auch ein korrekter Gelenkschluss. Dieser zeigt sich darin, dass der Gelenkspalt eng und konzentrisch begrenzt ist, d.h. die Konturen von Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne verlaufen parallel. 1

Des weiteren wurde versucht, eine Winkelmessung am Hüftgelenk im Sinne der Winkelmessung nach Norberg durchzuführen. Dieser soll die Beurteilung der Position der Oberschenkelköpfe in der Gelenkpfanne objektivieren.
Hierzu werden zunächst mittels Anlage von Kreisbögen vom Rand des Oberschenkelkopfes aus die Mittelpunkte der beiden Köpfe ermittelt, die dann mittels einer geraden Linie verbunden werden. Danach wird an jedem Kopf eine Linie zwischen Mittelpunkt des Kopfes und kranialem Azetabulumrand gezogen und daraufhin der Winkel zwischen dieser Linie und der zuvor gezogenen Verbindungslinie zwischen den zwei Oberschenkelköpfen gemessen. Dieser Betrug in dieser Studie etwa ??°. Leider liegen derzeit noch keine weiteren Daten über die physiologische Ausprägung des Norberg-Winkels beim Frettchen vor.

Ad 1) Ficus, Loeffler et al., „HD bei Hunden“, Enke, 1990

Auswertung:

Name: Beurteilung Lagerung/Belichtung Abweichungen Hüftgelenke Anmerkung:
Brianna Linkes   Bein nicht korrekt eingedreht, dadurch Femur nicht ganz gerade.Belichtung   korrekt linker   Femurkopf ggr. pilzförmig, liegt ggr. weniger    tief in der PfanneRechte   Hüfte regelgerecht Lageabweichung   links evtl. lagerungsbedingt 
Rachel Korrekte   Lagerung und Belichtung Beidseits   regelgerecht
BamBam Korrekte   Lagerung und Belichtung Geringgradige   Abflachung der Hüftgelenkspfannen beidseits altersbedingt
Nelly Korrekte   Lagerung und Belichtung Beidseits   regelgerecht
Günni Korrekte   Lagerung und Belichtung Geringgradige   Abflachung der linken HüftgelenkspfanneRechte   Hüfte regelgerecht
Memory Beidseits   Knie zu weit eingedreht, links weiter eingedreht als rechtsBelichtung   korrekt Linker   Femurkopf liegt ggr. weniger  tief in   der PfanneRechte   Hüfte regelgerecht Lageabweichung   links evtl. lagerungsbedingt
Alabaster Beidseits   Knie zu weit eingedrehtBelichtung   korrekt Beidseits   regelgerecht
Fuchur Korrekte   Lagerung und Belichtung Geringgradige   Abflachung der linken Hüftgelenkspfanne

 

 

Schlussfolgerung:

Die Auswertung der Röntgenbilder hat ergeben, dass in den untersuchten Linien bei keinem der Tiere Veränderungen des Hüftgelenks mit pathologischem Wert vorliegen. Die vorhandenen Abweichungen waren durchweg geringgradig und sind als physiologische Varianten anzusehen.

Um eine generelle Aussage zu treffen, ob die HD als genetisch bedingte Erkrankung bei Frettchen eine Rolle spielt, müsste eine größere repräsentative Anzahl an Tieren untersucht werden.

Kategorie: Allgemein , Diagnostik
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