Kastration der Hündin – Infos und Wissenswertes

Written by: Sarah Wellhöner | 16. Juli 2012

Was ist eine Kastration?

Unter einer Kastration wird üblicherweise die operative Entfernung der Keimdrüsen zum Zweck der dauerhaften Verhinderung der Fortpflanzung verstanden.

In der Regel werden hierbei die Eierstöcke entfernt (Ovariektomie), in einigen Fällen, z.B. bei krankhaften Veränderungen, auch die Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Werden nur die Eierstöcke entfernt, bildet sich die Gebärmutter in der Regel durch den nun fehlenden hormonellen Einfluss der Eierstöcke von selbst zurück.

Oftmals wird auch der Begriff der Sterilisation verwendet. Hierbei werden nur die Eileiter unterbunden, sodass keine Trächtigkeit zustande kommen kann. Die Hündin bleibt hormonell völlig intakt, die Läufigkeit findet weiterhin statt. Dieser Eingriff ist in der Tiermedizin eher unüblich.

Warum sollte ich meine Hündin kastrieren?

Viele Gründe sprechen für eine Kastration. In erster Linie soll die Fortpflanzung der Hündin verhindert werden, wobei der gesamte Sexualzyklus der Hündin wegfällt, inklusive der oftmals als lästig empfundenen Läufigkeit. Außerdem findet auch keine Scheinträchtigkeit statt, die bei vielen Hündinnen etwa 8 Wochen nach der Läufigkeit auftritt und sich in Form von Nestbau bis hin zur Bildung von Milch im Gesäuge und starker Störung des Allgemeinbefindens zeigen kann.

Des Weiteren kann eine Kastration der jungen Hündin wirkungsvoll die Bildung von Gesäugetumoren, sogenannten Mammatumoren, vermeiden, die bei älteren Hündinnen häufig auftreten.

Relatives Risiko für die Entwicklung von Mammatumoren in Abhängigkeit des Kastrationszeitpunktes:

Vor 1. Läufigkeit 0.05%

Zw. 1. und 2. Läufigkeit 8%

Zw. 2. und 3. Läufigkeit 26%

Nach 3. Läufigkeit kein Schutz

Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich diese Tumore unter dem Einfluss der von den Eierstöcken gebildeten Hormone entwickeln. Fallen diese weg, ist die Bildung eher unwahrscheinlich.
Eine häufige schwere Erkrankung der nicht kastrierten zumeist älteren Hündin ist die Gebärmuttervereiterung (Pyometra). Durch das Erschlaffen des Bindegewebes im Alter wird nach der Läufigkeit der Gebärmutterhals nicht mehr richtig verschlossen. Dies begünstigt aufsteigende Infektionen. Im schlimmsten Fall können sich mehrere Liter Eiter in der Gebärmutter ansammeln, es entwickelt sich ein lebensbedrohlicher Zustand des Tieres. Oft ist eine Notoperation und langwierige intensive Therapie notwendig. Diese schwere Erkrankung lässt sich durch die Kastration komplett vermeiden.

Insbesondere die beiden zuletzt genannten Erkrankungen lassen sich durch andere Verhütungsmethoden wie z.B. die Hormonspritze nicht vermeiden!

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Prinzipiell können Hündinnen jeden Alters kastriert werden.
Aufgrund des zuvor genannten positiven Effekts der frühen Kastration auf das Risiko von Mammatumoren, sollte man die Hündin jedoch möglichst jung kastrieren. Da viele Hündinnen in der ersten Läufigkeit sowohl körperlich als auch im Verhalten noch einmal deutlich reifen und „erwachsener“ werden, empfiehlt es sich, erst nach der ersten Läufigkeit zu kastrieren. Diese findet in der Regel mit etwa 8 bis 10 Monaten statt.
Idealerweise wird in der Phase der sexuellen Ruhe zwischen den Läufigkeiten, also im sogenannten Anöstrus kastriert. Dieser beginnt 8 bis 10 Wochen nach der Läufigkeit und dauert etwa 4 bis 5 Monate.

Kann die Kastration auch unerwünschte Wirkungen haben?

Nach der Kastration kann sich der Stoffwechsel der Hündin ändern und ihr Energiebedarf abnehmen, sodass sie gegebenenfalls weniger Futter braucht als vorher. Wird die Futtermenge dem veränderten Energiebedarf angepasst, sollte der Hund nach der Kastration nicht zunehmen!

In wenigen Fällen können ältere kastrierte Hündinnen, insbesondere großer Rassen, inkontinent werden. Dies lässt sich in der Regel mit Medikamenten gut therapieren.

Bei einigen Hündinnen langhaariger Rassen kann sich nach der Kastration die Fellqualität ändern, es wird gegebenenfalls weicher und lockiger („Welpenfell“). Hiervon sind insbesondere rothaarige Rassen wie z.B. Langhaardackel betroffen. Sehr selten kommt es auch zu kahlen oder weniger stark behaarten Hautstellen an der Flanke.

Bedenkt man den vielfältigen Nutzen einer Kastration für die dauerhafte Gesundheit der Hündin, sollten die genannten unerwünschten Nebeneffekte kaum negativ bei der Entscheidung für eine Kastration ins Gewicht fallen!

Ablauf am Operationstag

In der Regel bringen Sie Ihren Hund am Morgen nüchtern zu uns in die Praxis, das heißt sie haben zuletzt am frühen Abend gefüttert.
Als erstes wird dann ein Venenzugang gelegt, über den schließlich das Narkosemittel verabreicht wird. Nachdem die Operationsfläche geschoren und gewaschen wurde, wird die Hündin in den OP verbracht, an die Narkoseüberwachung und Infusion angeschlossen und letztlich der Eingriff vorgenommen. Nach dem Eingriff bleibt Ihre Hündin noch so lange bei uns, bis sie sich von der Narkose erholt hat. Meistens können Sie Ihren Hund am Nachmittag abholen.
Am Tag nach der Operation muss der Patient zur Nachsorge bei uns in der Praxis vorgestellt werden, je nach Befund auch noch an weiteren Tagen. Außerdem muss in den ersten Tagen ein Antibiotikum zur Vermeidung von Infektionen verabreicht werden.
Die Fäden an der Operationswunde werden nach 10 bis 14 Tagen gezogen, so lange muss Ihr Hund einen Halskragen tragen um die Wunde vor Belecken zu schützen.

Natürlich ist zu bedenken, dass die Kastration ein Eingriff mit den bekannten Risiken einer Operation ist. Dieses Risiko lässt sich aber bei intensiver Überwachung der Narkose, guter Hygiene im OP und sorgfältiger Nachsorge sehr gering halten, insbesondere wenn die Patienten ansonsten bei guter Gesundheit sind!

Kategorie: Allgemein , Chirurgie
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